„Wie lange hält das noch?" ist beim Gebrauchtkauf die zentrale Frage – und sie hat keine einfache Zahl als Antwort. Laufwerke fallen nicht zu einem festen Stichtag aus, sondern folgen einem statistischen Muster. Wer das kennt, kann ein Ergebnis viel besser einordnen als mit dem Bauchgefühl „alt = gleich kaputt".
Die Ausfallrate eines Laufwerks über die Zeit hat die Form einer Badewanne – daher der Name. Sie verläuft in drei Phasen:
1. Frühausfälle – In den ersten Wochen und Monaten fallen überdurchschnittlich viele Geräte aus. Ursache sind meist Fertigungsfehler, die sich früh zeigen. Wer diese Phase übersteht, hat eine gute Platte erwischt.
2. Stabiler Normalbetrieb – Die lange Mitte. Die Ausfallrate ist niedrig und bleibt über Jahre ungefähr gleich. Ausfälle passieren hier zwar, aber zufällig und selten.
3. Verschleiß – Mit zunehmendem Alter steigt die Rate wieder an: bei Festplatten durch mechanischen Verschleiß (Lager, Köpfe), bei SSDs durch alternde Elektronik und nachlassende Datenhaltefähigkeit.
Der Cloud-Anbieter Backblaze betreibt über 340.000 Laufwerke und veröffentlicht ihre Ausfallraten seit 2013 offen – die größte frei zugängliche Datenbasis dieser Art. Die wichtigste Kennzahl ist die jährliche Ausfallrate (AFR): der Anteil der Laufwerke, der pro Jahr ausfällt.
| Kennzahl | Größenordnung |
|---|---|
| Ausfallrate über die gesamte Lebensdauer (Flotte) | rund 1,3 % pro Jahr |
| Typische Jahres-Ausfallrate | etwa 1,5 % |
| Spanne zwischen einzelnen Modellen | unter 0,5 % bis über 5 % |
Im Klartext: In einem typischen Jahr fällt nur etwa jede 60. bis 70. Platte aus. Das ist beruhigend niedrig – aber es ist ein Flottenwert. Für ein einzelnes Laufwerk ist es trotzdem entweder „läuft" oder „ausgefallen"; eine Garantie gibt die Statistik nie.
Eine verbreitete Faustregel veranschlagt für ein Laufwerk grob fünf Jahre (rund 43.800 Betriebsstunden im Dauerlauf) – so lange wird viel Hardware ausgelegt und gewährleistet. Das ist aber kein Ablaufdatum: In den Backblaze-Daten laufen ganze Baureihen neun bis zehn Jahre mit Ausfallraten unter 1 %.
Eine gesunde Platte mit hoher Laufzeit ist also kein Grund zur Panik – sie ist nur weiter rechts auf der Kurve. Umgekehrt gilt: Auch junge Laufwerke fallen aus (siehe Frühausfälle). Das Alter allein sagt wenig – entscheidend ist das Gesamtbild aus SMART-Werten, Fehlerzählern und Verschleiß, das der S-IT SSD-Check zusammenträgt.
Festplatte (HDD): Sie verschleißt mechanisch. Lager, Motor und Köpfe nutzen sich ab – die klassische Badewannenkurve trifft hier am besten zu. Aussagekräftig sind umgesetzte und schwebende Sektoren sowie die Betriebsstunden.
SSD: Hier nutzt sich der Flash-Speicher durch Schreibvorgänge ab (Angabe als TBW bzw. verbrauchte Lebensdauer). Für normale Nutzung wird diese Grenze aber fast nie erreicht – die allermeisten SSDs werden ausgetauscht, lange bevor der Flash verbraucht ist. Relevanter sind im Alter die Elektronik (Controller) und die Datenhaltefähigkeit: Eine lange stromlos gelagerte SSD kann mit der Zeit Daten verlieren, auch wenn sie „gesund" ist.